Jahrestreffen 2026: *Biografische Verwaltung – verwaltete Biografien*

Von Beginn an und bis zum Ende unseres Lebens (und darüber hinaus) werden wir verwaltet – oder verwalten wir. Doch was ist eigentlich Verwaltung? Was wird verwaltet, wer verwaltet?

Verwaltung steht auf der einen Seite für Stetigkeit und für das Einpassen in geordnete Systeme, Prozesse, Abläufe, Handlungen und Organisationen, die zuverlässiges (und transparentes?) vergesellschaftetes Leben ermöglichen. Als solche Grundfigur schafft Verwaltung eine Ambivalenz, die im direkten Kontakt von beharrenden Momenten und dem ständigen Fluss der Entwicklungen, Neuerungen, Abweichungen und Störungen entsteht. Ein Beharren, dass paradoxerweise erst Freiräume schaffen kann. Auf der anderen Seite ist Verwaltung eine ‚Dienstleistung‘, die mitwachsen muss, um das Wachsen, die Entwicklung, das Neue nicht zu blockieren, sondern im besten Fall zu moderieren oder zu lenken.

Wie hält man die Balance zwischen ver- und waltenden Kräften? Wie erkannt man ‚Neues‘ – und wie viel muss man vom Alten wissen? Wo stehen dazwischen die Vertreter*innen des Gemeinwesens (Lehrer*innen, Professor*innen, Mitarbeitende in Museum und Archiv), die die in Frage stehenden Güter verwalten? Wie wirken hier Verwaltung(en)/verwaltende Verfahren auf individuelle wie kollektive Biografien, wie prägen Biografien Verwaltung? Was bedeutet in diesem Kontext der Begriff des ‚Amtsparadoxes‘? Und warum sind diese Fragen insbesondere jetzt – oder in Zeiten von Krisen, Umbrüchen und Transformationen – so relevant?

Ausgangspunkt unseres ZetBi-Treffens wird der ‚Mensch in der Verwaltung‘, ein weitabgestecktes Thema, das in Bezug auf Lebens(ver)läufe freilich auf sehr viele Bereiche und Kontexte (akademisch, kulturell, Bildungseinrichtungs-bezogen) angewendet werden kann. Neben einer kleinen Einführung von Myriam und/oder Falko wollen wir zusammen frei als auch textbasiert (Lektürevorschlag folgt) ins Gespräch kommen. _Wer mag, bereitet einen Mini-Input vor (5-15 Minuten), inwiefern das Thema ‚Verwaltete Biografien‘ in der eigenen Arbeit eine Rolle spielt und/oder bringt eine interessante Quelle mit, die wir zusammen besprechen können. _

Neben unserem (im engeren Sinne) inhaltlichen ZetBi-Programm erwarten uns Gespräche und eine Atelierführung mit Birgit Weyhe, die Stadtführung ‚Nebenschauplätze‘ mit Hinz & Kunzt, ein ZetBi-Rückblick und viel Zeit zum Schnacken. Wir freuen uns drauf!